Zieglerverein Harkemissen

Zieglerverein Harkemissen
(Heimatland Lippe, 1993, S.338-339)

(Quelle: Auszug aus der Chronik "Quer durch die Gemarkung Bentorf" 2009)

In Harkemissen entstand im Jahr 1902 ein Zieglerverein. Aus den Anfangsjahren unseres Vereins sind keine schriftlichen Unterlagen mehr vorhanden. Es sind jedoch die Namen einiger Vereinsgründer mündlich überliefert, die sich im "Goldenen Anker" bei Vinnen trafen, um den Zieglerverein Harkemissen aus der Taufe zu heben. Vereinsgründer waren, neben anderen, die Zieglerkameraden:
Heinrich Süllwold, Fritz Gröne, Hermann Brandt, Heinrich Schnülle, Hermann Kracht, Heinrich Nolting und Hermann Böke. Der erste Vereins vorsitzende war weit bis in die dreißiger Jahre hinein Heinrich Süllwold, der sein Amt mit großem Idealismus ausübte.

Neben der Förderung der Kameradschaft und des Vereinslebens hatten die Zieglervereine zu jener Zeit auch eine soziale Funktion. Unverschuldet in Not geratene Vereinskameraden und ihre Familien wurden bestmöglich unterstützt. So hat sich auch bis heute der Brauch erhalten, bei Todesfällen den Hinterbliebenen ein Sterbegeld zu zahlen.

Die Arbeit auf der Ziegelei war in den Jahren nach 1900 lange nicht mehr so hart, wie in den früheren Jahrzehnten. Der Gewerkverein hatte durchgesetzt, daß der unmenschliche, 16stündige Arbeitstag aufhörte und gerechte Löhne gezahlt
wurden. Viel schwere Arbeit wurde schon durch Maschinen geleistet. Aber noch immer war der Zieglerberuf schwer. Der relativ gute Verdienst im Sommer mußte mit einer Trennung von der Familie und mit einer langen Arbeitslosigkeit während der Wintermonate erkauft werden. Doch die lippischen Ziegler hatten ihr einst verachtetes Gewerbe allmählich zu einem geachteten Beruf gemacht und waren stolz auf ihn.

Waren die Ziegler des Dorfes im Sommer auch auf den Ziegeleien ganz Deutschlands verstreut, fanden sie sich doch im Winter alle wieder in der Heimat zusammen. Und ob man gut verdient hatte, oder ob es mäßig gewesen war, in der Winterzeit wollte man auch mal zusammen fröhlich sein.

Man brauchte sich als „Leimen-Klöpper" vor den anderen Ständen nicht mehr zu schämen. Man war eine große, kraftvolle Zunft, kannte sich aus in der Welt, hatte was geleistet da draußen und hatte Geld in der Tasche. Auch die Frauen wollten mal wieder lustig sein, nach den langen, einsamen Wochen und der schweren Sommerarbeit auf dem Feld und im Garten.

So wurden im Winter die Vereinsstiftungsfeste gefeiert. In Harkemissen, bis zum Jahre 1971, grundsätzlich am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag. In den folgenden Jahren stand ein passender Saal leider nicht mehr zur Verfügung. Bis in die fünfziger Jahre hinein gehörte ein Festmarsch, entweder zum Eichholzberg oder über den Lichtensberg dazu. Bei den Festmärschen war der Wettergott auch damals den Zieglern nicht immer wohlgesonnen. Es regnete zeitweilig in Strömen, und der Dreck floss über damals noch unbefestigten Straßen. Für die Ziegler war das jedoch kein Hindernis. Der Vorsitzende kommandierte: "Goht
mol'n bieden schwanke, de Schuiten sall sick wal schicken."

Anschließend verlas er mit donnender Stimme seine Festrede, die meistens vom alten Schulmeister Sehröder aus Bentorf verfaßt wurde. Wenn er mit einem Hoch auf Kaiser und Landesherrn schloss, murmelten sich die angetretenen Zieglerkammeraden zu: .Better konn äok un Berluin keuner kürn."

Im anschließenden Festverlauf flossen Schluck und Bier in Strömen. An solchen Tagen wurde auch mal einer mehr getrunken. .Bet de Ees öbber de Eern schlührte." Im laufe der feuchtfröhlichen Nacht konnte es dann auch schon mal zu einer handfesten „Klopperei" mit den Bentorfern kommen.

Ein zahlenmäßig großer Verein sind wir eigentlich nie gewesen. Damals wie heute zählte man um die 60 bis 70 Mitglieder. Aber man hielt zusammen, und die Zieglerfeste waren bekannt und beliebt. Jeder feierte mit.

Mitte der dreißiger Jahre übernahm Heinrich Windmeier die Vereinsführung, die er Mitte der fünfziger Jahre an Gustav Johanning übergab, (unser heute ältestes Vereinsmitglied).In den Kriegsjahren erlosch das Vereinsleben. Die letzteAufzeichnung datieren aus dem Jahr 1942. Im Jahr 1949 wurde der Zieglerverein neu ins Leben gerufen. Man hatte wieder 41 Mitglieder. Der Jahresbeitrag betrug 1 DM; die Aufnahmegebühr 0,50 DM.

Natürlich gibt es auch die eine oder andere Anekdote zu berichten, die sich im Laufe der Jahre ereignete. Bei einer Vorbereitungsversammlung zum 50jährigen Vereinsjubiläum wurde z.B. heftig darüber diskutiert, ob für den Vereinsvorstand
neue Mützenkordeln angeschafft werden sollten. Erst nach stundenlangem Hin und Her konnte die "Kordelfrage" gelöst werden und eine knappe Mehrheit stimmte dafür.

Nach dem frühen Tod von Siegfried Pampel wurde der langjährige Kassenwart Heinrich Simonsmeier im Jahre 1982 1.Vorsitzender und übt dieses Amt bis zum heutigen Tage aus. 1990 trat unser Verein dem Lippischen Ziegler-Ring bei. Im letzten Jahr wurde das 90jährige Vereinsjubiläum in gewohnter Weise gefeiert.

Trotz unserer mittlerweile 91 Jahre sind wir ein junger Verein geblieben, wie unsere zahlreichen Aktivitäten beweisen.

 Vorstand mit Fahne

Zusätzliche Informationen